Ich bin keine Terroristin


Veröffentlicht am 25 Oktober 2013 - Tags:  Meinung 

Das Handy unserer Kanzlerin Angela Merkel wurde abgehört. Es mag naiv sein, aber ich dachte bisher immer, dass dieses Handy mit den besten Schutzmechanismen, die verfügbar sind, ausgestattet sei. Und jetzt das. Sollte man nun nicht besser jede elektronische Kommunikation einstellen?

Ich höre sie schon, die Skeptiker in meinem Umfeld, die diesem ganzen neumodischen Kram sowieso nie getraut haben. Denen ist ein Mensch wie ich, der die modernen Medien intensiv nutzt und als absolute Bereicherung seines Lebens empfindet, immer schon suspekt. Aber dummerweise kann ich ihnen gerade heute nicht mit der ganzen Überzeugung entgegen treten, wie ich es sonst getant habe, weil es auch in meinem Bauch grummelt.
Natürlich, es ist überhaupt nicht neu, dass unsere Kommunikation ausgespäht wird. Ich erinnere mich an meine Anfänge in der IT in den Achtzigern. Die ersten Verschlüsselungsmechanismen kamen auf. Damals war es schon so, dass es einen Schlüssel für den Einsatz in den USA und einen für den Rest der Welt gab. Letzterer war natürlich schwächer. Ich erinnere mich an Kundenpräsentationen, bei denen danach gefragt wurde und wir dies lächelnd beantworteten mit: „Das ist, damit die Geheimdienste im Ernstfall Zugang erhalten können. Aber Sie sind ja kein Terrorist. Ha, ha, ha.“ Jeder hat kurz genickt und ist zum nächsten Punkt übergegangen. Auch wurden damals schon unsere Telefongespräche überwacht. Das Thema ist also nicht neu, die Dimension schon.
Ich mag gar nicht darüber nachdenken, wer außer unseres guten „Freundes“ USA noch so alles mithört.

Für mich ist es keine praktikable Alternative, die elektronische Kommunikation einzustellen. Sie ist Teil meines Lebens und bereichernder dazu. Allerdings halte ich es schon immer so, wie es mal ein Berater gesagt hat: „Schreibe nichts in den PC, was du nicht auch deiner Oma erzählen würdest.“
Es ist aber an der Zeit, dass die IT-Unternehmen dieser Welt, allen voran die amerikanischen, Flagge zeigen und nicht nur mit irgendwelchen abstrakten Floskeln behaupten, mit den Daten sorgsam umzugehen, sondern es unmissverständlich beweisen. Denn wenn das Handy unserer Kanzlerin geknackt werden kann, dann kann dies beim Rechenzentrum von Microsoft, IBM und Co. gewiss auch geschehen, zumal diese sowieso wahrscheinlich mit den Geheimdiensten zusammenarbeiten. Wir können die Uhr nicht zurückdrehen und ich will es auch gar nicht, aber wenn unsere Welt weiter funktionieren soll, dann müssen sich grundlegende Dinge ändern.
Die Beruhigung, ich bin ja keine Terroristin, wirkt nicht mehr. Denn unsere Kanzlerin ist auch keine.

Vera Nentwich Vera Nentwich


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